Hannover: Neue Ambulanz für Männer mit sexuellen Gewaltfantasien

Die Medizinische Hochschule Hannover startet ein neues Präventionsangebot für Männer, die befürchten, ihre Fantasien nicht kontrollieren zu können. „Sexuelle Übergriffe passieren nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, Sie haben einen Vorlauf in der Seele und Sexualität von Tätern,“ sagt Projektleiter Prof. Uwe Hartmann. Um sexuelle Übergriffe zu verhindern, ist es daher wichtig Angebote zu unterbreiten, bevor es zu Taten kommt. Die Therapie ist kostenlos und anonym. Das Team unterliegt der Schweigepflicht. Auch Männer, die bereits gewalttätig geworden sind, können sich in der MHH helfen lassen, es darf allerdings kein Ermittlungs- oder Strafverfahren laufen.

Homepage des Präventionsprojekts und Kontakt: hier

SexMedNews#180
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Stigma – der Film

Ein Tonstudio. Zwei Notenständer. Zwei Mikrofone. Zwei Männer. Die Schauspieler Godehard Giese und Hendrik Arnst lesen den Text eines Gesprächs, das wirklich stattgefunden hat – im Sommer 2015 am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité. Der eine, der jüngere, fragt: neugierig und interessiert. Der ältere antwortet: direkt, offen schonungslos mit sich selbst. Er ist pädophil. Fühlt sich sexuell zu jungen Mädchen hingezogen, seit er selbst ein Teenager war. Jahrelang hat er dagegen angekämpft, hat lange gehofft, dass das wieder weg geht. Aber es ging nicht weg. Auch nicht vom Alkohol. Der Mann hat Schuld auf sich geladen. Er hat seine eigene Tochter sexuell missbraucht. Und muss damit leben. Er hat eine Therapie gemacht und dadurch gelernt, seine sexuelle Neigung zu akzeptieren, sie zu kontrollieren. Er hat andere Männer getroffen, denen es genauso wie ihm geht. Und er hat gelernt, dass seine sexuelle Präferenz nicht geheilt werden kann, dass er aber Verantwortung für sein sexuelles Verhalten übernehmen kann. Und muss. Er kämpft, will ein guter Mensch sein. Kann jemand, der so große Schuld auf sich geladen hat, überhaupt noch glücklich werden? Und darf er das?

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SexMedNews#180

„Klasse, krass und stark!“ Interaktive Ausstellungen zur Prävention sexueller Gewalt

Mit einer feierlichen Vernissage am 24. Januar an der Hochschule Merseburg werden drei Präventionsprojekte „Echt krass“, „Echt klasse“ und „Echt stark“ vorgestellt. Die interaktiven Parcours wurden vom Kieler PETZE-Institut für verschiedene Zielgruppen (GrundschülerInnen, Jugendliche, Förderschulen/Behinderthilfe) entwickelt. Durch eine Förderung der Europäischen Union (Förderprogramm EFRE) können diese Ausstellungen zukünftig an der Hochschule Merseburg ausgeliehen werden. Ihr Einsatz wird mit Workshops für Eltern, Lehrkräfte und Kinder/Jugendliche begleitet. Bis Ende Februar sind die Ausstellungen im Foyer der Hochschule zu sehen.

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SexMedNews#179

Schwangerschaft: Mit dem ersten Kind verändert sich das Gehirn der Mutter

Ein überraschender Befund aus der Hirnforschung: Mit dem ersten Kind verändert sich die Gehirnstruktur der Mutter. In bestimmten Hirnregionen werden Nervenverbindungen aufgelöst. Die Forscher vermuten, dass hier ein ähnlicher Vorgang abläuft wie in der Pubertät (das sogenannte „pruning“): Der neuronale Kahlschlag schaffe Platz zur Neuorganisation des Gehirns für die Anforderungen im neuen Lebensabschnitt. Bei den Vätern wurden diese Hirnveränderungen nicht gefunden.

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SexMedNews#178

Mechanismen der Sexsucht: Probanden gesucht

In der „Sex@Brain study – klinische und neurobiologische Mechanismen der Sexsucht“ an der Medizinischen Hochschule Hannover soll eine umfangreiche Charakterisierung von männlichen Sexsüchtigen vorgenommen werden. Dabei werden Patienten durch Fragebögen, neuropsychologische Tests und Daten der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) mit gesunden Kontrollen verglichen.

Obwohl Sexsucht in der Therapie lange bekannt ist, gibt es wenige wissenschaftliche Untersuchungen des Problems. Diese Lücke soll mit Hilfe objektiv gewonnener Daten verringert werden. Des Weiteren ist geplant ein Therapiemanual für betroffene Patienten zu konzipieren.

Die Teilnahme an dieser Studie wird vergütet. Sie ist freiwillig und anonym.

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SexMedNews#177

Die „Pille“ als Lustkiller?

Diese Frage ist bis heute nicht abschließend beantwortet. Und lässt sich vermutlich auch gar nicht so pauschal beantworten. Eine neue Studie aus den USA kommt zum gegenteiligen Ergebnis: Hier gaben Frauen, die hormonell verhüten, mehr sexuelle Aktivität und Lust in ihrer Paarbeziehung an gegenüber Frauen, die mit nichthormonellen Mittel verhüten. Kontextuelle Faktoren (Partnerschaft, Dauer der Beziehung, Lebensalter) hätten laut dieser Studie einen größeren Einfluss als die Art der Verhütung.

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SexMedNews#176

READYWASTE – Missbrauchsabbildungen im Schredder

Das Internet beherbergt gigantische Mengen an Kinderpornographie – Abbildungen des sexuellen Missbrauchs. Aus geschredderten Datenträgern entwickelte der Künstler Costantino Ciervo eine Installation, die vom 1. bis 25. August im Pavillon der Berliner Volksbühne zu sehen sein wird.

Der Hintergrund: Das „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ (www.kein-taeter-werden.de) bietet Beratung und Therapie für Männer, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen.   Rund 70 % der Patienten hatten bereits Missbrauchsabbildungen konsumiert, davon fast 90 % vollkommen unentdeckt von Polizei und Justiz. In der Therapie werden diese Patienten bestärkt, ihre Datenträger, auf denen teilweise viele Terrabyte Datenvolumen mit Missbrauchsdarstellungen von Kindern gespeichert waren, zu zerstören. Daraus entstand die Idee zu einer Installation mit solchen geschredderten Schnipseln, die einerseits diesen Therapieerfolg darstellt und zum anderen das gewaltige Ausmaß des Problems „Kinderpornographie“ aufzeigt. Ein Versuch, das Undarstellbare darzustellen.

Eröffnung am 1. August 2016, 18 bis 20 Uhr, Pavillon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin.
Die Installation ist nicht begehbar, aber rund um die Uhr von außen kostenlos zu besichtigen, Laufzeit 1. bis 25. August 2016
Mehr Informationen: READYWASTE

SexMedNews#175