Schlagwort-Archive: Lust

Sexualitätskongress online: Wege durch das Labyrinth

Ein Kongress der besonderen Art: Über 30 ExpertInnen werden vom 2.11. bis 12.11. in Online-Interviews auf unterschiedlichste „Wege durch das Labyrinth“ der Sexualität führen.

Der Kongress steht für alle Interessierten kostenlos offen, einzige Voraussetzung ist die persönlichen Anmeldung. Die registrierten Teilnehmer bekommen während der Kongresstage jeden Tag via E-Mail die Links zu den aktuell freigeschalteten Interviews. Jedes Video ist dann für 24 Stunden kostenlos zu sehen. Bereits jetzt sind alle Interessierten herzlich in die kongressbegleitende Facebook-Gruppe eingeladen.

Infos und Anmeldung: sexualitaetskongress.com
Facebook-Gruppe: „Wissen macht Lust“

SexMedNews#186

Die „Pille“ als Lustkiller?

Diese Frage ist bis heute nicht abschließend beantwortet. Und lässt sich vermutlich auch gar nicht so pauschal beantworten. Eine neue Studie aus den USA kommt zum gegenteiligen Ergebnis: Hier gaben Frauen, die hormonell verhüten, mehr sexuelle Aktivität und Lust in ihrer Paarbeziehung an gegenüber Frauen, die mit nichthormonellen Mittel verhüten. Kontextuelle Faktoren (Partnerschaft, Dauer der Beziehung, Lebensalter) hätten laut dieser Studie einen größeren Einfluss als die Art der Verhütung.

Link zur Originalpublikation

SexMedNews#176

Himmel und Hölle: Was Sex für uns bedeutet

Eines der bemerkenswertesten Bücher des Jahres 2015 ist zweifellos
„Himmel auf Erden und Hölle im Kopf – Was Sexualität für uns bedeutet“.
Im Gespräch mit dem Journalisten Michael Lissek gibt unser Kollege, der Sexualpsychologe Christoph J. Ahlers, sein Statement über verschiedenste Facetten menschlicher Sexualität. Das Ergebnis ist ein „hochspannendes Buch über das überwältigende Glück, aber auch die Probleme und Abgründe der Sexualität“ (dpa). Die Bucherscheinung wurde von nicht minder bemerkenswerten Presseinterviews begleitet. Einige davon haben wir hier zusammengestellt:

Die Welt: Männer wollen keinen Gnadensex
Zeit Online: Was wissen wir wirklich über Sex?
Brigitte: Was wollen wir uns eigentlich sagen, wenn wir Sex haben?
rbb Inforadio „Zwölfzweiundzwanzig“: Podcast: Himmelsglück und Höllenqual

SexMedNews#169

Verordnete Lust: Verkaufsstart von Addyi in den USA

Die rosa Pille soll Frauen die Lust zurückbringen. Sowohl das Konzept – Chemie gegen Unlust, verordnete Lust – als auch der Wirkstoff Flibanserin sind umstritten. Die Wirkung ist sehr begrenzt, wird allenfalls einem kleinen Teil der Anwenderinnen überhaupt nützen, und wird andererseits überschattet von Risiken und einschränkenden Anwendungsvorschriften. Zweimal hatte die US-Arzneibehörde FDA eine Zulassung des Medikaments abgelehnt. Im August wurde das Mittel nun doch zugelassen – von derselben Behörde und auf Grundlage desselben Wissenstandes.

Was war passiert? In der Zwischenzeit gab es keine neuen empirischen Daten, welche eine medizinische Neubewertung des Medikaments rechtfertigen würden. Aber es gab eine geschickte Propaganda, die Gleichberechtigung und political correctness einfordert. Nach den vielen sexualunterstützenden Medikamenten für den Mann sei es an der Zeit und ein Gebot der Fairness, auch den Frauen etwas anzubieten. Die Argumentation ist ebenso beharrlich falsch wie die Bezeichnung als „Viagra für Frauen“.

Viele Sexualwissenschaftler und Therapeuten sind nicht überzeugt, dass Addyi die Erwartungen erfüllen wird, weder unternehmerisch noch in seiner Wirkung. Das rechnet sich der Hersteller, Sprout Pharmaceuticals, offenbar ganz anders aus. Vorstandschefin Cindy Whitehead berichtet stolz, dass das Unternehmen seit der positiven FDA-Entscheidung 150 neue Mitarbeiter angeheuert hat – so viel qualifiziertes Verkaufs- und Marketingpersonal sei allein dafür nötig, um Addyi auf den Start im Handel vorzubereiten. Eine Herausforderung sieht Whitehead darin, dass sich die Kosten pro Frau auf 400 Dollar im Monat, also fast 5000 Dollar pro Jahr belaufen, weil Addyi täglich eingenommen werden muss. Der Konzern will die Krankenversicherer von einer Kostenübernahme aus medizinischen Notwendigkeit überzeugen, damit es für Kunden bei einer Selbstbeteiligung von nicht mehr als 30 bis 50 Dollar bleibt.

Etwas Gutes bringt das große öffentliche Echo auf die Lustpille jedenfalls schon jetzt, nämlich vermehrte Aufmerksamkeit für die Frage: Was bedeutet Sex zu haben – oder eben auch nicht – in der öffentlichen Meinung und für den Einzelnen und für jede einzelne konkrete Paarbeziehung? Was und wieviel will ich und brauche ich? Vor allem: was brauche ich wirklich? Was ist meins, was ist fremdbestimmt? Wer oder was macht mich glauben, Lust haben zu müssen? Habe ich aus guten Gründen keine Lust? Und wenn tatsächlich Frauen bzw. Paare bereit sind, Tausende Dollar für eine Lustpille hinzublättern, dann zeigt dies auch den Wert unseres Berufes als Paar- und Sexualtherapeuten, die wir die Paare darin unterstützen, genau diese Fragen für sich zu klären.

Sexuelle Unlust wird sich nicht alleine mit einer Pille reparieren lassen. Aber alle Studien mit luststeigernden Pharmaka für Frauen (ob Flibanserin oder Oxytocin oder Testosteronpflaster etc.) haben gezeigt, dass allein schon die intensive Beschäftigung mit der eigenen und der partnerschaftlichen Sexualität eine erhebliche Verbesserung der Zufriedenheit bewirkt. Das nämlich steckt in der „Placebowirkung“ drin. Und darüber hinaus bringt der Wirkstoff – bestenfalls- nur noch einen geringen Zugewinn.

Übersicht: Die wichtigsten Anwendungsvorschriften:
– Die Zulassung für Addyi wurde beschränkt für erwachsene Frauen vor der Menopause.
– Addyi muss täglich eingenommen werden.
– Die Nutzerinnen sollen komplett auf Alkohol verzichten, sonst könne es zum Kreislaufversagen kommen. Übrigens kann auch die gleichzeitige Einnahme der Antibabypille das Risiko für Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen erhöhen.
– Addyi ist nicht zur Anwendung zugelassen, wenn der Libidomangel auf medizinische oder psychische Ursachen, auf Beziehungsprobleme oder auf Medikamenten- oder Drogeneinnahme zurückzuführen ist.
– Addyi ist rezeptpflichtig. Es darf nur von Ärzten verordnet und von Apotheken abgegeben werden, welche speziell geschult und zertifiziert wurden.

Webseite von Addyi
Fragebogen: Decreased Sexual Desire Screener (DSDS)

Eine Zulassung von Addyi in Deutschland ist derzeit nicht geplant.

SexMedNews#165

Ostern, Liebe und Lust

Seit jeher, schon lange vor dem Christentum, war das Osterfest ein Fest des Frühlings, der Belebung, des Neubeginns. Der Name leitet sich von der Himmelsrichtung der aufgehenden Sonne ab. Und von Ostara, der Göttin der Morgenröte und des erwachenden Lebens. Die Begleittiere der Göttin sind Hasen und Marienkäfer. Diese Symbole haben sich bis heute erhalten – Osterhasen bringen Eier und Marienkäfer Glück.

Am Frühlingsanfang sind Tag und Nacht gleich lang, danach werden die Tage länger, das Licht überwiegt die Nacht. Die dunkle Winterzeit ist nun endgültig besiegt, und allerorts regt sich Leben. Das Osterfest feiert die Kraft des Neubeginns.

Nun kommt noch der Mond dazu: Nach dem Frühlingsanfang warten wir mit dem Osterfest noch bis zum nächsten Vollmond. Ähnlich, mit etwas anderer Rechnung, feiern die Inder das Holifest oder die Juden ihr Passahfest am Tag des Frühlingsvollmonds. Der Rhythmus des Mondes wurde seit jeher mit Rhythmen auf der Erde in Verbindung gebracht, so auch mit der Menses und der Empfänglichkeit der Frauen. In alten Kulturen wurden Feiertage auf den Vollmond festgelegt, denn der Vollmond solle die Energien besonders beleben, Lust und Ekstase (und nicht zuletzt die Fruchtbarkeit) steigern. Ostern ist ein Fest der Liebe und der Lebenskräfte.

Wir wünschen Frohe Ostern!

SexMedNews#122