Schlagwort-Archive: Sexualmedizin

William Masters: Zum 100. Geburtstag

Der amerikanische Gynäkologe William Masters zählt zu den Pionieren der Sexualtherapie. Zusammen mit seiner Assistentin Virginia Johnson untersuchte er, was beim Sexualakt physiologisch passiert. Heute vor 100 Jahren wurde William Masters geboren. Der WDR hat eine zeitgeschichtliche Dokumentation erstellt.

Zeitgeschichtliches Archiv des WDR
Download des Podcast

SexMedNews#170

Himmel und Hölle: Was Sex für uns bedeutet

Eines der bemerkenswertesten Bücher des Jahres 2015 ist zweifellos
„Himmel auf Erden und Hölle im Kopf – Was Sexualität für uns bedeutet“.
Im Gespräch mit dem Journalisten Michael Lissek gibt unser Kollege, der Sexualpsychologe Christoph J. Ahlers, sein Statement über verschiedenste Facetten menschlicher Sexualität. Das Ergebnis ist ein „hochspannendes Buch über das überwältigende Glück, aber auch die Probleme und Abgründe der Sexualität“ (dpa). Die Bucherscheinung wurde von nicht minder bemerkenswerten Presseinterviews begleitet. Einige davon haben wir hier zusammengestellt:

Die Welt: Männer wollen keinen Gnadensex
Zeit Online: Was wissen wir wirklich über Sex?
Brigitte: Was wollen wir uns eigentlich sagen, wenn wir Sex haben?
rbb Inforadio „Zwölfzweiundzwanzig“: Podcast: Himmelsglück und Höllenqual

SexMedNews#169

Verordnete Lust: Verkaufsstart von Addyi in den USA

Die rosa Pille soll Frauen die Lust zurückbringen. Sowohl das Konzept – Chemie gegen Unlust, verordnete Lust – als auch der Wirkstoff Flibanserin sind umstritten. Die Wirkung ist sehr begrenzt, wird allenfalls einem kleinen Teil der Anwenderinnen überhaupt nützen, und wird andererseits überschattet von Risiken und einschränkenden Anwendungsvorschriften. Zweimal hatte die US-Arzneibehörde FDA eine Zulassung des Medikaments abgelehnt. Im August wurde das Mittel nun doch zugelassen – von derselben Behörde und auf Grundlage desselben Wissenstandes.

Was war passiert? In der Zwischenzeit gab es keine neuen empirischen Daten, welche eine medizinische Neubewertung des Medikaments rechtfertigen würden. Aber es gab eine geschickte Propaganda, die Gleichberechtigung und political correctness einfordert. Nach den vielen sexualunterstützenden Medikamenten für den Mann sei es an der Zeit und ein Gebot der Fairness, auch den Frauen etwas anzubieten. Die Argumentation ist ebenso beharrlich falsch wie die Bezeichnung als „Viagra für Frauen“.

Viele Sexualwissenschaftler und Therapeuten sind nicht überzeugt, dass Addyi die Erwartungen erfüllen wird, weder unternehmerisch noch in seiner Wirkung. Das rechnet sich der Hersteller, Sprout Pharmaceuticals, offenbar ganz anders aus. Vorstandschefin Cindy Whitehead berichtet stolz, dass das Unternehmen seit der positiven FDA-Entscheidung 150 neue Mitarbeiter angeheuert hat – so viel qualifiziertes Verkaufs- und Marketingpersonal sei allein dafür nötig, um Addyi auf den Start im Handel vorzubereiten. Eine Herausforderung sieht Whitehead darin, dass sich die Kosten pro Frau auf 400 Dollar im Monat, also fast 5000 Dollar pro Jahr belaufen, weil Addyi täglich eingenommen werden muss. Der Konzern will die Krankenversicherer von einer Kostenübernahme aus medizinischen Notwendigkeit überzeugen, damit es für Kunden bei einer Selbstbeteiligung von nicht mehr als 30 bis 50 Dollar bleibt.

Etwas Gutes bringt das große öffentliche Echo auf die Lustpille jedenfalls schon jetzt, nämlich vermehrte Aufmerksamkeit für die Frage: Was bedeutet Sex zu haben – oder eben auch nicht – in der öffentlichen Meinung und für den Einzelnen und für jede einzelne konkrete Paarbeziehung? Was und wieviel will ich und brauche ich? Vor allem: was brauche ich wirklich? Was ist meins, was ist fremdbestimmt? Wer oder was macht mich glauben, Lust haben zu müssen? Habe ich aus guten Gründen keine Lust? Und wenn tatsächlich Frauen bzw. Paare bereit sind, Tausende Dollar für eine Lustpille hinzublättern, dann zeigt dies auch den Wert unseres Berufes als Paar- und Sexualtherapeuten, die wir die Paare darin unterstützen, genau diese Fragen für sich zu klären.

Sexuelle Unlust wird sich nicht alleine mit einer Pille reparieren lassen. Aber alle Studien mit luststeigernden Pharmaka für Frauen (ob Flibanserin oder Oxytocin oder Testosteronpflaster etc.) haben gezeigt, dass allein schon die intensive Beschäftigung mit der eigenen und der partnerschaftlichen Sexualität eine erhebliche Verbesserung der Zufriedenheit bewirkt. Das nämlich steckt in der „Placebowirkung“ drin. Und darüber hinaus bringt der Wirkstoff – bestenfalls- nur noch einen geringen Zugewinn.

Übersicht: Die wichtigsten Anwendungsvorschriften:
– Die Zulassung für Addyi wurde beschränkt für erwachsene Frauen vor der Menopause.
– Addyi muss täglich eingenommen werden.
– Die Nutzerinnen sollen komplett auf Alkohol verzichten, sonst könne es zum Kreislaufversagen kommen. Übrigens kann auch die gleichzeitige Einnahme der Antibabypille das Risiko für Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen erhöhen.
– Addyi ist nicht zur Anwendung zugelassen, wenn der Libidomangel auf medizinische oder psychische Ursachen, auf Beziehungsprobleme oder auf Medikamenten- oder Drogeneinnahme zurückzuführen ist.
– Addyi ist rezeptpflichtig. Es darf nur von Ärzten verordnet und von Apotheken abgegeben werden, welche speziell geschult und zertifiziert wurden.

Webseite von Addyi
Fragebogen: Decreased Sexual Desire Screener (DSDS)

Eine Zulassung von Addyi in Deutschland ist derzeit nicht geplant.

SexMedNews#165

Westdeutsches Zentrum für Sexuelle Gesundheit

Die Uniklinik Essen bündelt die sexualmedizinischen Kompetenzen und Experten aus ihren Instituten und eröffnet im September ein interdisziplinäres Zentrum für Sexuelle Gesundheit. Dies wird ein offenes Netzwerk unter Einbeziehung aller beteiligten medizinischen Fachgebiete, zu denen unter anderem die Gynäkologie, die Urologie, die Dermatologie, die Geriatrie und die Psychiatrie des LVR-Klinikums gehören. Ab Mitte September wird eine zentrale Telefonnummer geschaltet, bei der Ratsuchende sich melden können und an den entsprechenden Experten vermittelt werden.

Pressebericht

SexMedNews#162

Jahrestagung der DGSMTW

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft e.V. (DGSMTW) findet am 28.03.2015 erstmals in Verbindung mit dem Psychosomatikkongress in Berlin statt. Teilnehmer des Psychosomatikkongresses können mit einer ermäßigten Teilnahmegebühr die DGSMTW-Tagung besuchen. Das wissenschaftliche Programm umfasst einen großen Themenbereich: sexuelle Funktionsstörungen, Paraphilien, Geschlechtsdysphorie, Kinderwunsch, Vaginismus.
Anmeldung und Programm

SexMedNews#154

7. Klinische Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS)

Das Programm für 7. Klinische Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) liegt vor – Download hier.

Die Tagung findet am 18./19. September in Göttingen statt. Unter dem Titel „Sexualität ohne Körper? – Körper ohne Sexualität?“ werden zusätzlich zu den Hauptvorträgen Fallarbeits-Gruppen und mehr Workshops als in den Vorjahren angeboten. Es finden beispielsweise Workshops zu Physio- und Körpertherapie, Sexualität und Alter, zur Behandlung von Sexualstraftätern oder zur Arbeit mit transidenten Jugendlichen sowie zu vielen weiteren sexualtherapeutischen, forensischen und medizinischen Themen statt. Das Anmeldeformular finden Sie hier.

SexMedNews#153

Sex im Zeitalter der technologischen Reproduktion

Carl Djerassi, einer der Erfinder der „Pille“ und überhaupt ein interessanter Mensch, kommt nach Magdeburg. Am 12.11.14 stellt er im Rahmen der renommierten Otto-von-Guericke-Vorlesungen seine Zukunftsvision vom „Sex im Zeitalter der technologischen Reproduktion“ vor. Djerassi ist überzeugt, dass auch gesunde Menschen zunehmend die reproduktionsmedizinischen Technologien nutzen werden. Mit Erfindung der Antibabypille wurden Empfängnisverhütung und sexuelles Verhalten in einer kulturell bisher nicht gekannten Tragweite entkoppelt. Zukünftig würden nun auch Kindermachen und Sexhaben nicht mehr zwangsläufig zusammen gehören müssen. Die sexuelle Kultur stehe vor einer neuen Revolution. – Man muss die Zukunftsvorstellungen des Herrn Djerassi nicht unbedingt teilen. Spannend und nachdenkenswert sind sie allemal.

Prof. Dr. Carl Djerassi: Sex im Zeitalter der technologischen Reproduktion – Aufgang und Abgang der Pille
Wann: 12. November 2014, 19.00 Uhr
Wo: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Hörsaal 1, Gebäude 26, Campus Universitätsplatz 2, 39104 Magdeburg

Mehr zum Thema:
Wikipedia über Carl Djerassi
Carl Djerassi: Unbefleckt zum Wunschkind

SexMedNews#143