Schlagwort-Archive: Sexuelle Gewalt

Neues Sexualstrafrecht in Schweden: Nur ja heißt ja

Die schwedische Regierung präsentierte kurz vor dem Jahresende einen Gesetzesvorschlag, der die Zustimmung zu einer sexuellen Handlung als Grundprinzip festschreibt. Dafür gibt es einen breiten Konsens in allen politischen Lagern. Voraussichtlich wird das Gesetz zum 1. Juli 2018 in Kraft treten.

In den deutschen Medien geschah nun Merkwürdiges. Die Berichte wurden mit allerlei Spekulationen und Verdrehungen angereichert, etwa: Sex nur noch mit schriftlicher Genehmigung. Ausgerechnet ein Satiremagazin drängte auf Richtigstellung. Worauf sich die schwedische Botschaft in Berlin herausgefordert sah, den Deutschen die Sache noch einmal zu klarzulegen:
Erklärung vom 20.12.2017
Kommentar

Die aktuelle Gesetzgebung sieht vor, dass Opfer von sexuellen Übergriffen ihren Widerstand durch Worte oder Handlungen deutlich zum Ausdruck gebracht haben müssen: Nur nein heißt nein. Zukünftig wird das nicht reichen. Passivität soll nicht länger als stilles Einverständnis interpretiert werden können. Beide Beteiligten müssen erkennbar zustimmen, und jeder ist verantwortlich, sich von der Zustimmung des anderen zu überzeugen. Nur ja heißt ja.

Das ist übrigens weder eine neue Erfindung der Schweden noch ein Resultat der #MeToo-Debatte: Schon seit 2003 gilt in England und Wales eine sexuelle Handlung als Vergewaltigung, „wenn die andere Person hiermit nicht einverstanden ist und der Täter keinen vernünftigen Grund für die Annahme hat, dass die andere Person einverstanden ist“. Und spätestens seit der von Deutschland im Jahr 2011 unterzeichneten „Istanbul-Konvention“ steht das bundesdeutsche Strafrecht längst schon auf dem Prüfstand. Dazu einige juristische Dossiers:
Link1    Link2    Link3    Link4

Anders als in der jetzigen schwedischen Gesetzesvorlage hat der Deutsche Bundestag am 7. Juli 2016 für die „Nein-heißt-Nein“-Regelung entschieden:
Nachlesen im Bundestag-Archiv

SexMedNews#188

Hannover: Neue Ambulanz für Männer mit sexuellen Gewaltfantasien

Die Medizinische Hochschule Hannover startet ein neues Präventionsangebot für Männer, die befürchten, ihre Fantasien nicht kontrollieren zu können. „Sexuelle Übergriffe passieren nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, Sie haben einen Vorlauf in der Seele und Sexualität von Tätern,“ sagt Projektleiter Prof. Uwe Hartmann. Um sexuelle Übergriffe zu verhindern, ist es daher wichtig Angebote zu unterbreiten, bevor es zu Taten kommt. Die Therapie ist kostenlos und anonym. Das Team unterliegt der Schweigepflicht. Auch Männer, die bereits gewalttätig geworden sind, können sich in der MHH helfen lassen, es darf allerdings kein Ermittlungs- oder Strafverfahren laufen.

Homepage des Präventionsprojekts und Kontakt: hier

SexMedNews#180

„Klasse, krass und stark!“ Interaktive Ausstellungen zur Prävention sexueller Gewalt

Mit einer feierlichen Vernissage am 24. Januar an der Hochschule Merseburg werden drei Präventionsprojekte „Echt krass“, „Echt klasse“ und „Echt stark“ vorgestellt. Die interaktiven Parcours wurden vom Kieler PETZE-Institut für verschiedene Zielgruppen (GrundschülerInnen, Jugendliche, Förderschulen/Behinderthilfe) entwickelt. Durch eine Förderung der Europäischen Union (Förderprogramm EFRE) können diese Ausstellungen zukünftig an der Hochschule Merseburg ausgeliehen werden. Ihr Einsatz wird mit Workshops für Eltern, Lehrkräfte und Kinder/Jugendliche begleitet. Bis Ende Februar sind die Ausstellungen im Foyer der Hochschule zu sehen.

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SexMedNews#179

Flüchtlingsklasse: Ob sie über Sexualität reden möchten

Dieses Jahr 2016 begann mit einem Schock: In Köln und weiteren Städten waren in der Neujahrsnacht massenhaft sexuelle Übergriffe begangen worden. Von jungen Männern vermutlich nordafrikanischer bzw. arabischer Herkunft. Die erste Reaktion war: Sprachlosigkeit. Über die kurzen vagen Nachrichtenmeldungen hinaus blieb es in den Medien zunächst erstaunlich stumm. Aber nicht lange. Inzwischen haben diese Ereignisse heftige Debatten losgetreten. Und Aktionismus. Eher im Stillen erfahren wir von Bürgern, die nicht lamentieren noch besserwissen, sondern wirken. Zum Beispiel Janosch Freuding. Er ist Lehrer in einer Flüchtlings-Alphabetisierungsklasse. Er fragte seine Schüler, junge Männer zwischen 16 und 18 Jahren, ob sie über Sexualität reden möchten. Sie bejahten eifrig …
Zum Bericht, MigAZIN.de

SexMedNews#171